Nicht alles, was wahr ist, muss man sagen - aber alles, was man sagt, muss wahr sein!

Meine Hobbys / Limericks

Wer kennt heute noch Limericks, diese meist humorvollen Fünfzeiler? Heutzutage findet man im Internet viele Informationen zu dieser Gedichtform, aber ich habe bisher keinen Autor gefunden, der Limericks musikalisch erklärt: Limericks im Walzertakt. Zuerst möchte ich aber die wesentlichen Merkmale von Limericks aufzählen:


  • Ein Limerick hat fünf Zeilen.    
  • Es reimen sich die Zeilen eins, zwei, fünf und die Zeilen drei, vier. Das wird auch als Reimschema AABBA bezeichnet.

  • Limericks haben einen ganz besonderen Rhythmus und eine ganz besondere Zeilenlänge (Metrik), das wird oft so oder so ähnlich dargestellt:



1. Zeile:  da  DA  da  da  DA  da  da DA  da(9 Silben)
2. Zeile:  da  DA  da  da  DA  da  da DA  da(9 Silben)
3. Zeile:  da  DA  da  da  DA(5 Silben)
4. Zeile:  da  DA  da  da  DA(5 Silben)
5. Zeile:  da  DA  da  da  DA  da  da DA  da(9 Silben)

Die Silbe DA sollte bei einem Vortrag besonders betont werden.

  • In den ersten vier Zeilen wird häufig eine Person mit einer Besonderheit oder einem Problem vorgestellt, es kann aber auch ein Tier oder eine Stadt sein.

  • In der fünften Zeile gibt es dann meistens eine Überraschung, mit der kaum gerechnet wird, und die ist fast immer irgendwie lustig.

Bevor ich hier einige (selbst erstellte) Limericks präsentiere, möchte ich noch auf ein paar Dinge aufmerksam machen:

  1. Im Folgenden geht es ausschließlich um die technische Betrachtung von Limericks.
  2. Mit diesen Erkenntnissen ist es recht einfach, formal exakte Limericks zu verfassen. Die sind allerdings nur dann wirklich gut, wenn auch die anderen „Elemente" passen: Reime, Sprache, originelle Handlung, . . . 
  3. Gelegentlich war das Thema Limericks auch in der Schule machbar, und das auch erfolgreich.
  4. Was jetzt kommt, ist das Ergebnis von 40 (vierzig) Jahren Schuldienst , hauptsächlich Grundschule.


Beispiel 1:  (© Joachim Kroll)


Voll müde kam Fritz in die Schule (9)
und schlief sofort ein auf dem Stuhle.
(9)
Im Traum aß er Eis
(5)
mit Himbeeren heiß,
(5)
dann weckte ihn leider die Jule.
(9)


Nun zum Walzertakt 

Zu einem richtig gemachten Limerick kann man einen Walzer tanzen, schunkeln oder einfach nur mitzählen: eins, zwei, drei, eins, zwei, drei, eins . . . Bei dem folgenden nächsten Limerick ist die Metrik genau die gleiche wie im Beispiel 1, aber diesmal mit passenden Noten - alles Viertel und immer drei in einem Takt. Betont wird jeweils die erste Note (Silbe) im Takt, genau wie bei einem Walzer. Die Melodie ist ganz einfach gehalten und passt ganz gut zu solchen Limericks, die ist aber nicht so wichtig.

Zum besseren Verständnis und auch zur besseren Übersicht habe ich in jeder Zeile den letzten Takt geteilt, damit hat jede Zeile einen Auftakt.


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Auch das Beispiel hier unten passt genau in das gleich Muster.


Beispiel 3:  (© Joachim Kroll)



Zu Halloween klingeln die Geister
(9)
woll’n Süßes, sonst werden sie dreister.
(9)
Mein Dobermann kam,
(5)
da wurden sie zahm.
(5)
Die Geister, die hab‘n jetzt ‘nen Meister.
(9)


Nun ist aber die Anzahl der Silben (9, 9, 5, 5, 9) nicht verbindlich und der Schöpfer eines Limericks hat schon einen gewissen Spielraum. Das folgende Beispiel hat in jeder Zeile eine Silbe mehr, also (10, 10, 6, 6, 10) Da ja der typische Rhythmus, also unser Walzertakt, bleiben soll (muss), werden einige Sprechsilben geändert: Bei einem Vergleich der beiden ersten Zeilen (Beispiel 2: und Beispiel 4:) ist die Stelle schnell gefunden. Die eine Viertelnote „Ma-” wird in zwei Achtelnoten getauscht „Was-” „ser”. Man erhält dadurch bei gleicher Taktlänge eine Sprechsilbe mehr. Sehr beliebt ist auch die Variante im Beispiel  5, der Unterschied ist sicherlich wieder schnell gefunden.


Zum Mithören hier klicken

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Das metrische Prinzip von Limericks sieht für mich nun folgendermaßen aus:

  1. Der Grundrhythmus eines Limericks ist ein 3/4 Takt.
  2. Die Zeilen 1, 2 und 5 haben jeweils eine Länge von 4 Volltakten, wobei der Auftakt und die Pausen mitgezählt werden müssen.
  3. Damit haben diese Zeilen eine Länge von 12 Viertel.
  4. Die Zeilen 3 und 4 haben nur 2 Takte - also 6 Viertel.
  5. Hält sich der Schreiber eines Limericks an den Takt und an die Länge, dann hat er noch eine Reihe von Variationsmöglichkeiten, wobei der Walzertakt eine sehr gute Unterstützung bei der Erstellung von Limericks ist.

Hier nun noch einige von mir erstellte Fünfzeiler, allerdings ohne Hinweise zur rhythmischen Gestaltung.

Beispiel 6:


Im Sommer, da ist es oft heiß,

doch unsere Lehrerin weiß,

dass Kinder, die schwitzen

und unruhig sitzen

nur noch funktionieren mit Eis.


Beispiel 7:


Es gibt einen Mann, der in Kiel

gern Bier trinkt und zwar reichlich viel.

Zwei Liter pro Stund‘

schickt er durch den Schlund.

Mehr schafft auch kein Flusspferd am Nil.


Beispiel 8:


Ich sehe bei Tag und bei Nacht,

besorgt, was die Menschheit so macht.

Viel Dreck und viel Schutt,

viel ist schon kaputt.

Was hat sich Gott da bloß gedacht?


Beispiel 9:


Im Keller hab‘ ich alte Decken,

darin kann ich Vieles verstecken.

Dort liegt nun seit Stunden,

das, was ich erfunden:

Mein rundes Quadrat mit drei Ecken.


Nachwort

Wie kommt man denn auf solche Gedanken? Limericks stehen zwar nicht im Lehrplan der Grundschulen, aber das Lesen von lustigen Texten schon. Mit Viertklasskindern habe ich das gerne und erfolgreich gemacht und zwar fächerübergreifend:

  1. Deutsch: kreativer Umgang mit der Sprache, . . . 
  2. Musik: Noten- und Pausenwerte, 3/4 Takt, . . . 
  3. Mathematik: Umgang mit einfachen Brüchen, . . . 

Eine wichtige Erkenntnis war die immer gleiche Struktur bei der Zeilenlänge:

1. Zeile: 12 Viertel

2. Zeile: 12 Viertel

3. Zeile:   6 Viertel

4. Zeile:   6 Viertel

5. Zeile: 12 Viertel

Das ist aber nur die technische Seite der Limericks. Ein erfolgreicher „Unterhalter" benötigt natürlich originelle Texte und muss außerdem mit der Stimme und der Sprache spielen können: laut - leise, hoch - tief, langsam - schnell, ...