Ein Schulleiter i. R. plaudert --- aktualisiert am 6. August 2022

Was ist denn ein Limerick?


Das hier ist ein Limerick


Mein Freund in der Schule heißt Peter,

zum Unterricht kommt er meist später.

Dann muss ich oft lachen,

denn er lässt es krachen

macht nur dummes Zeug und dann geht er.


Auch dieses Gedicht ist ein Limerick


Voll müde kam Fritz in die Schule

und schlief sofort ein auf dem Stuhle.

Im Traum aß er Eis

mit Himbeeren heiß,

Dann weckte ihn leider die Jule.


Natürlich ist auch dieser Fünfzeiler ein Limerick


Der Streit, der geht heftig und heiß her.

Klaus-Dieter hat Recht, und das weiß er.

Er weiß alles besser

der kleine Erstklässer

Klaus-Dieter, der ist ein „Klugscheißer”.


Diese drei Beispiele haben viele gemeinsame, und für Limericks typische Eigenschaften, nämlich folgende:


1.
Ein Limerick ist ein kurzes Gedicht.
2.
Diese Gedichte haben immer fünf Zeilen
3.
Die Zeilen kann man in zwei Gruppen einteilen:
Gruppe A:    1. Zeile, 2. Zeile, 5. Zeile
Gruppe B:    3. Zeile, 4. Zeile
4.
Die Zeilen der Gruppe A reimen sich,
die Zeilen der Gruppe B reimen sich.
Dieses Reimschema bezeichnet man als A A B B A
5. Die Zeilen der Gruppe A haben mehr Silben als die Zeilen der Guppe B.
6.
In den Zeilen 1 bis 4 wird meist eine Person mit einer besonderen Eigenschaft vorgestellt:
1) der Spaßmacher Peter  
2) der müde Fritz  
3) Klaus-Dieter, der Besserwisser.
7.
In der letzten Zeile sollte etwas Überraschendes, möglichst Lustiges geschehen.


Zu diesen Eigenschaften kommt noch ein ganz besonderer Sprechrhythmus hinzu, bei dem ganz bestimmte Silben betont werden. Wer Limericks vortragen oder gar eigene verfassen möchte, der muss sich mit diesem Versmaß (mit dieser Metrik) vertraut machen. Hier nun die Vorgaben für einen gelungenes Werk mit einer korrekten Metrik:


        
  1. In den Zeilen der Gruppe A werden drei Silben betont (das wird als Hebung bezeichet). Diese Silben werden in der Fachliteratur oft als „DI” geschrieben.  


  2. Für die unbetonten Silben nimmt man die Silbe „da”. Auf diese Weise kann man nun die zwei Silbenarten gut unterscheiden. In den Zeilen der Gruppe B werden nur zwei Silben betont.
            

  3. Zwischen zwei betonten Silben „DI” stehen zwei unbetonte Silben „da”. Das ergibt dann in den Zeilen der Gruppe A folgende Silbenkombination:
    DI    da   da   DI   da   da   DI      (drei Hebungen).


  4. In den kürzeren Zeilen der Gruppe B (zwei Hebungen) haben wir dann die Kombination:

  5. DI   da   da   DI 
          

  6. Die nächste Regel betrifft den Anfang jeder Zeile, egal ob Gruppe A oder B. Alle fangen mit einer, gelegentlich auch mit zwei unbetonten Silben an. In der Musik bezeichnet man das als Auftakt, dazu später mehr.

        
  7. Die letzte betonte Silbe ist in vielen Fällen auch gleichzeitig das Zeilenende. Es können aber auch noch ein oder zwei unbetonte Silben angehängt werden.


Wendet man diese Regeln einmal nur für die erste Zeile eines Limericks an, so ergibt sich eine Silbenmindestzahl von 8 Silben und eine Silbenhöchstzahl von 11 Silben. Diese Zeile muss also zu einem der folgenden Muster passen. Zum besseren Verständnis steht darunter noch ein „Oma - Haustier - Satz”. Außerdem wird das Ganze noch durch ein passendes Hörbeispiel unterstützt.


8 Silben (Mindestanzahl)

8 Silben als Viertelnote und am Ende eine Viertelpause ergibt eine Zeilenlänge von 9 Viertel (ohne P1 und P2 / Erklärung weiter unten)

9 Silben (Variante 1)

Aus dem einsilbigen "Hund" wird eine zweisilbige "Kat" - "ze" und die Viertelpause fällt weg.

9 Silben (Variante 2)

Der "Hund" bleibt. Die Silbe "Die" (ein Viertel) wird ersetzt durch "Mei" und "ne" (zwei Achtel).

10 Silben (Variante 1)

Zuerst war es der "Hund" mit einer Silbe, dann war es die "Katze" mit zwei Silben, jetzt kommt mit drei Silben das letzte Tier: ein Kakadu. Um die Zeilenlänge nicht zu überschreiten, müssen die Silben "Ka" und "ka" Achtelnoten sein.

10 Silben Variante 2

Im vorletzten Beispiel hat die Oma wieder ihre "Katze", dafür muss es aber am Anfang wieder "Mei - ne" heißen.

11 Silben (Höchstzahl)

Zum Schluss das Maximum mit . . . 

   2 unbetonten Auftaktsilben,

   3 Hebungen

   4 unbetonten Silben zwischen den Hebungen

   2 unbetonte Schlusssilben

_____________________________

 11 Silben insgesamt

Nun zum Walzertakt 

Die oben aufgelisteten Beispiele zeigen schon, dass der Rhythmus mit seinen Hebungen und Senkungen als 3/4 Takt notiert werden kann. Zu einem korrekt verfassten Limerick kann man einen Walzer tanzen, schunkeln oder einfach nur mitzählen: eins, zwei, drei, eins, zwei, drei, eins . . . Hier einmal die Grundstruktur der fünf Zeilen.

Die Pausenpaare (P1 / P2) und (P3 / P4) haben Taktlänge. Man kann sie setzen oder weglassen, die Struktur bleibt erhalten. 

Das Ganze habe ich versucht, in einem "Filmchen" darzustellen, hoffentlich ist mir das gelungen.



Genug trockene Theorie, hier noch ein paar Beispiele.

WICHTIG!

Bitte auch das Nachwort lesen und beherzigen!

NOCH EIN TIPP

Schunkeln Sie doch einmal mit, das ist "echt cool"!


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Auch das Beispiel hier unten passt genau in das gleich Muster.



Zu Halloween klingeln die Geister
(9)
woll’n Süßes, sonst werden sie dreister.
(9)
Mein Dobermann kam,
(5)
da wurden sie zahm.
(5)
Die Geister, die hab‘n jetzt ‘nen Meister.
(9)


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Das metrische Prinzip von Limericks kann man nun musikalisch beschreiben: 

  1. Der Grundrhythmus eines Limericks ist ein 3/4 Takt. 
  2. Die Anzahl der Silben, die Notenwerte und die Sprechpausen können variiert werden, doch die "Walzerstruktur" bleibt erhalten. 

Hier nun noch einige Fünfzeiler, allerdings ohne Hinweise zur rhythmischen Gestaltung.


Im Sommer, da ist es oft heiß,

doch unsere Lehrerin weiß,

dass Kinder, die schwitzen

und unruhig sitzen

nur noch funktionieren mit Eis.



Es gibt einen Mann, der in Kiel

gern Bier trinkt und zwar reichlich viel.

Zwei Liter pro Stund‘

schickt er durch den Schlund.

Mehr schafft auch kein Flusspferd am Nil.



Ich sehe bei Tag und bei Nacht,

besorgt, was die Menschheit so macht.

Viel Dreck und viel Schutt,

viel ist schon kaputt.

Was hat sich Gott da bloß gedacht?



Im Keller hab‘ ich alte Decken,

darin kann ich Vieles verstecken.

Dort liegt nun seit Stunden,

das, was ich erfunden:

Mein rundes Quadrat mit drei Ecken.


Nachwort

Wie kommt man denn auf solche Gedanken? Limericks stehen zwar nicht im Lehrplan der Grundschulen, aber das Lesen von lustigen Texten schon. Mit Viertklasskindern habe ich das gerne und erfolgreich gemacht und zwar fächerübergreifend:

  1. Deutsch: kreativer Umgang mit der Sprache, . . . 
  2. Musik: Noten- und Pausenwerte, 3/4 Takt, . . . 
  3. Mathematik: Umgang mit einfachen Brüchen, . . . 

Eine wichtige Erkenntnis war auch, dass das Lernen besser geht, wenn man in Bewegung ist. Das Alllerwichtigste aber war der große Spaß beim Beschäftigen mit unserer Sprache. 

Das ist aber nur die technische Seite der Limericks. Ein erfolgreicher „Unterhalter" benötigt natürlich originelle Texte und muss außerdem mit der Stimme und der Sprache spielen können: laut - leise, hoch - tief, langsam - schnell, ...


Nachtrag

Zum Schluss noch ein kleines "Highlight". Auf dieser Website sind ja schon einige meiner Limericks veröffentlicht, die unterliegen natürlich dem Urheberrecht. Meine komplette Sammlung können sie mit einem Klick auf "Meine komplette Sammlung" betrachten.