2. Merkmale eines Limericks


Nach den sechs Beispielen und den Monatslimericks, bekommt so mancher Leser vielleicht schon ein erstes Gefühl für für die Merkmale eines Limericks. Ein Limerick ist aber nur dann ein "echter" Limerick, wenn er die recht strengen Kriterien erfüllt. Dann kommt er im Normalfall auch bei den Lesern beziehungsweise beim Publikum gut an. Hier nun die ersten Merkmale.    

2.1 Aufbau & Reimschema

Aus diesem Thema hätte ich auch zwei Themen machen können, aber die beiden Punkte sind so eng miteinander verknüpft, dass sich eine Zusammenlegung einfach anbot. Dass ein Limerick immer fünf Zeilen hat, das haben Sie sicherlich schnell erkannt. Diese ungerade Anzahl von Zeilen ist ja für kurze, humorvolle Gedichte unüblich, daraus folgt auch ein unübliches Reimschema. Klicke Sie auch hier wieder auf die Grafik und entnehmen sie weitere, hoffentlich verständlich beschriebene Informationen.
 
2.2 Versmaß

Jetzt kommen allerdings einige Punkte, die etwas anspruchsvoller sind, denn das Auszählen der Silben ist zwar wichtig, aber das reicht nicht. Die Wörter unserer Muttersprache haben, was die Betonung betrifft, eine meist eindeutige, historisch gewachsene Sprechweise. Ein Limerick hat aber einen besonderen Sprechrhythmus, und der soll möglichst zum natürlichen Rhythmus passen. Es gibt aber auch Limericks, bei denen bewusst gegen diese Regel verstoßen wird, weil damit die Pointe noch besser zur Geltung kommt, doch das ist Geschmacksache - dazu später mehr. Bevor Sie sich die Präsentation anschauen, hier noch ein paar Erläuterungen: Für betonte Silben (Hebungen) und unbetonte Silben (Senkungen) benutze ich Symbole, die auch in der Fachliteratur recht häufig benutzt werden.

    
 Zum besseren Verständnis gibt es zu diesem Thema auch wieder eine Präsentation, und Sie können schon einmal Ihre Kopfhörer und / oder Lautsprecher testen, denn die werden Sie demnächst brauchen. Klicke Sie wieder auf die Grafik und entnehmen Sie weitere, hoffentlich verständlich beschriebenen Informatnen.  

 

2.2.1 Varianten beim Versmaß - Teil 1 (Silben)


Keine Regel ohne Ausnahme, das ist glücklicherweise auch bei unseren Limericks der Fall. Das Beschreiben und Erklären dieser Varianten ist zwar nicht ganz einfach, doch für Limerickautoren ist dies eine große Chance. In der deutschen Sprache gibt es ja reichlich viele Möglichkeiten Wörter zu verändern: Ich nenne hier nur einmal Vorsilben, Nachsilben, Zusammensetzungen oder auch die vorsichtige Benutzung von Dialekten. In vielen Fällen ändert sich dann auch die Betonung, und der Schreiber findet eher eine der erlaubten Rhythmusvarianten  -  theoretisch. Die zwei Bildserien erläutert die Mindest- und die Höchstzahl von Sprechsilben in den Zeilen 1, 2 und 5, und natürrlich kommen beide Serien zu dem gleichen Ergebnis. Jetzt aber einmal etwas aus der Praxis: zwei fast identische Limericks.
 






Ja manchmal, da geht es besonders fix,
da schreib‘ ich im nu meine Limericks.
Trag‘ ich meinen Hut,
gelingen sie gut.
Doch ohne Hut werden sie leider nix.
a manchmal, da geht es ganz fix,
da schreibe ich zehn Limericks.
Trag‘ ich meinen Hut,
gelingen sie gut.
Doch ohne, da werden sie nix.
 

 

2.2.2 Varianten beim Versmaß - Teil 2 (Notenwerte)

Beim nächsten Beispiel setze ich auch einmal Notenwerte ein,  denn die meisten Sprechsilben sind mit einer Viertelnote vergleichbar, die kürzeren Silben mit einer Achtelnote und die längeren Silben mit einer Halbnote.  Die folgenden Beispiele mit der Oma und einem Haustier zeigen noch einmal die sechs Varianten.  Sie können sich die Rhythmusbausteine auch vorspielen lassen. Klicken  Sie hierfür auf das Notenbild, und ein Schlagzeuger spielt diesen Teil.
 
 

eine Auftaktsilbe: Die   Silben zwei Auftaktsilben: Mei - ne
8
     
9
     
10
     
  11
     
     

2.3 Der "Walzertest"  (mit Melodiebeispielen)

Tanzen Sie gerne "Wiener Walzer"? Vielleicht schunkeln Sie auch lieber? Wenn Sie hier wenigstens einmal "Ja" gesagt haben, dann kommt zum Schluss dieser Einführung ein recht originelles Thema: Der Walzertest. Getestet wird allerdings nicht Ihre tänzerische Kompetenz, sondern die Korrektheit eines Limericks.

Sprechsilben haben in den meisten Fällen die Länge einer Viertelnote, eine genaue Definition dazu gibt es allerdings nicht. Am Anfang einer Limerickzeile können auch zwei Achtelnoten stehen, am Ende sodann Achtel-, Viertel- oder auch Halbenoten. Das Ergebnis ist jedenfalls ein Dreivierteltakt. Mit diesem Wissen kann ich die Metrick eines Limericks recht leicht prüfen.

Dieser Test ist allerdings kein Test im engeren Sinne. Ich arbeite gern damit, und bei Vorträgen ist dieser Punkt auch immer ein Höhepunkt der Veranstaltung - sehr zu Überraschung der Zuhörer. Es gilt aber auch hier das Motto » Der Sinn eines Limericks ist der Unsinn!«

 

Bild 1)
mit Symbolen
Bild 2)
mit Noten & Pausen
 Bild 3)
mit Zählhilfen
 Bild 4)
mit "Kunstpausen"
 Bild 5)
mit Adam aber ohne Eva
   Jetzt fehlen noch. . .
  
  
  . . . zwei Beispiele, doch bei denen ist die eine oder
  andere Stelle anders. Wenn Sie genau hinhören und
  hinschauen, dann werden  Sie diese Stellen auch finden.

   Bild 6)    Bild 7)

  Die Lösungen finden Sie unter dem Punkt
  3.3 Nachtrag zum "Walzertest".
  

Hinweis:

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